Für ein klimafreundliches Heuchelheim

Wie definieren und konkretisieren wir das Wahlziel?

Aufbauend auf dem in 2012 von dem Energie- und Umweltkommission, mit starkem Engagement und guten Beiträgen von uns Grünen, erstellten und dann in der Gemeindevertretung beschlossenen „Energiepolitischen Leitbild zur Klimaneutralität der Gemeinde Heuchelheim“ und unter Beachtung unserer sonstigen Aktivitäten in dieser Kommission und diesbezüglichen Anträge sowie sonstiger Initiativen, wollen wir dazu beitragen, dass auch unsere Gemeinde Heuchelheim in 2045 klimaneutral wird.

Dabei gehen wir davon aus, dass die bezüglich des Anteils von Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zur Einwohnerschaft, dem Verkehr und dem Kleingewerbe deutlich dominierende Industrie aufgrund übergeordneter Vorgaben und eigener betrieblicher Ziele zeitlich parallel zur Klimaneutralität finden wird.

Wichtig ist auch die Erkenntnis und unsere Ausgangsthese, dass es zur Erreichung dieses Zieles auf ALLE und somit auch auf jede/n Einzelne/n ankommt, also ab sofort kein Warten auf „die da oben“ oder „zunächst die Anderen“ mehr möglich ist.

Was haben wir in den letzten Jahren hierzu bereits erreicht:

Generell war uns dieses Thema schon seit langer Zeit und auch als erste Partei in Heuchelheim ein Herzensanliegen.

Wissend, dass die entscheidenden Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten zur Zielerreichung bei den klimarelevanten Hauptsektoren (Energie, Verkehr, Stoffströme, Konsum, Landnutzung u.a.) nicht vorrangig auf der kommunalen Ebene liegen, und auch in realistischer Selbsteinschätzung unserer bisherigen Rolle als Opposition sowie der grundsätzlichen Optionen in unserer Gemeinde, haben wir dennoch schon viel erreicht.

Nicht immer auf direktem Wege, z.B., durch einen Antrag mit dadurch erwirktem Beschluss des zuständigen politischen Gremiums und dann sofortiger 1:1-Umsetzung. Sondern oft auch „über Bande“ oder in einer gemeinschaftlichen Aktivität aufgrund unserer Initiative und zunehmend auch nicht auf dem parlamentarischen Weg.

Konkret haben wir in den letzten Jahren zur Umsetzung dieses Zieles schon erreicht:

Initiative und Begleitung bei Einrichtung und Besetzung der Stelle eines hauptamtlichen Klimaschutzmanagements

Nachdem ein bereits vor einigen Jahren von uns angestoßener und interfraktionell beschlossener Versuch einer Gemeinschafts-Lösung mit der Gemeinde Biebertal gescheitert ist, haben wir im Rahmen der Haushalts-Planung für 2020 die Neueinrichtung einer Stelle für ein hauptamtliches Klimaschutzmanagement durchgesetzt.

Nachdem jahrelang vergeblich auf eine Förderzusage von der zuständigen Bundeseinrichtung gewartet worden ist, wurde dann die Stelle in 2024 auf eine Initiativbewerbung hin auch besetzt.

Finanzielle Beteiligung der Gemeinde am Windpark in Staufenberg

Nach einer ausführlichen Diskussion über Optionen zur Windkraft-Nutzung im Gemeindegebiet in der Energie- und Umweltkommission wurde gemeinsam festgestellt, dass hier keinerlei Realisierungsansätze erkennbar sind.

Daher haben wir in 2023 beantragt und auch beschließen lassen, dass sich die Gemeinde mit mindestens 100 T€ an dem bereits realisierten und mit verlässlichen Gewinnausschüttungen abgesichertem Windkraft-Projekt in Staufenberg beteiligt. Gegen den Widerstand der anderen Parteien wurde der Beteiligungs-Betrag noch vom Gemeindevorstand in unserem Sinne erhöht.

Auftrag zur Planung und Realisierung der Umstellung des Nahwärmenetzes „Auf der Bölz“ auf Abwärme-Nutzung von Schunk

In 2025 konnten wir eine einvernehmliche Entscheidung der Gemeindevertretung erreichen, dass der Gemeindevorstand in Absprache mit der Fa. Schunk und den Stadtwerken Gießen die Planung und Realisierung einer Wärmetransportleitung zur künftigen Versorgung des Neubaugebietes „Auf der Bölz“ mit der industriellen Abwärme (statt einer auf Erdgas-Verbrennung basierenden Wärmequelle) anstößt und uns in 2026 auch ein Finanzierungskonzept zur Entscheidung vorlegt.

Damit könnte das gesamte bereits an das Nahwärmenetz angeschlossene Baugebiet künftig klimaneutral beheizt werden.

Welche Ziele, Strategien und Maßnahmen streben wir im Einzelnen an?

1. Klimaneutrales Heizen auf Grundlage einer realistischen Wärmeplanung

Da der für das Heizen benötigte und derzeit in Heuchelheim fast vollständig auf das Erdgas und auch noch mit Heizöl betriebene Einzellösungen fokussierte Energiebedarf im Haushaltsbereich den überwiegenden Anteil an den Treibhausgas-Emissionen ausmacht, ist die zeitnahe Umstellung unserer Heizungen auf klimaneutrale Lösungen immanent.

Schon unter der Ägide des Bundeswirtschafts- und Klimaschutz-Ministers Robert Habeck sowie (vorher bereits) Landes-Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir wurde durch gesetzliche Änderungen das Instrument der Kommunalen Wärmeplanung eingeführt. Dieser Wärmeplan soll unter Erfassung und Bewertung der derzeitigen Situation im Heiz-Sektor sowie der vor Ort vorhandenen Potenziale zur klimaneutralen Umstellung unterschiedliche Gebiete im besiedelten Bereich definieren, in denen entweder zentrale Heizsysteme wie z.B. ein Fernwärmenetz oder sog. Insel-Lösungen mit Nahwärmenetzen vorgesehen werden oder in Restbereichen auch langfristig nur dezentrale Einzellösungen wie Wärmepumpen, Pellets-Heizungen oder Solar-Systeme realisiert werden können.

Dieser Kommunale Wärmeplan soll jetzt auch ab 2026 für Heuchelheim aufgestellt werden. Wir werden uns hierzu natürlich weiter in der Energie- und Umweltkommission oder einem eigens dafür einzurichtenden Gremium engagieren. Dabei soll von Anfang an ein realistischer, also auf den tatsächlich vor Ort zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen basierender Ansatz unterstützt werden.

2. Ausbau klimafreundlicher Alternativen für Heuchelheimer PKW-Verkehr

Mögliche Bausteine einer klimafreundlichen Verkehrswende in Heuchelheim:

Sichere Rad- und Fußwege

  • Lückenschlüsse zwischen Ortsteilen und in Richtung Gießen, Kinzenbach, Lahnau.
  • Sichere Querungen an Hauptstraßen (Gießener, Rodheimer, Hauptstraße).
  • Breitere, barrierefreie Wege – familien- und seniorenfreundlich.

Radabstellanlagen und E‑Bike-Infrastruktur

  • Überdachte Abstellbügel an Kita, Schulen und Sportstätten.
  • Kleine E‑Bike-Ladestationen an frequentierten Orten (Sportstätten, Rathaus).

Stärkung des ÖPNV

  • Dichtere Taktung Richtung Gießen (Lahnau – Heuchelheim – Gießen).
  • Digitale Echtzeit‑Informationen an zentralen Haltestellen.

Verbesserte Anbindung an Gießens Fahrradbus-Angebote oder On-Demand-Angebote des Landkreises. Das sind kleine Busse, die auf Abruf fahren (per App/Telefon) und nicht wie Linienbusse festen Fahrplänen folgen.

Car‑Sharing und E‑Sharing-Angebote

  • Prüfung einer E‑Carsharing-Station am Rathaus und am Einkaufszentrum.
  • Lastenrad‑Sharing für Familien und Vereine, betreut durch lokale Partner.

Verkehrsberuhigte Zonen & sichere Schulwege

Tempo‑30‑Zonen an sensiblen Orten wie Schulen, Kitas und Seniorenheimen sind in Heuchelheim bereits vorhanden. Dennoch zeigt die tägliche Verkehrssituation, dass die bestehenden Maßnahmen nicht überall ausreichend schützen.

Zu hohe Geschwindigkeiten, unübersichtliche Querungsstellen und hohes Verkehrsaufkommen führen zu vermeidbaren Risiken – besonders für Kinder und ältere Menschen.

Deshalb setzen wir uns für eine systematische Überprüfung und Optimierung der bestehenden Tempo‑30‑Bereiche ein.

Was bedeutet das konkret?

Analyse der aktuellen Verkehrssituation

  • Messung tatsächlicher Geschwindigkeiten
  • Beobachtung typischer Gefahrenpunkte (z. B. Schulwege, Ein- und Aussteigesituationen, Rad- und Fußwege)
  • Prüfung der Wirksamkeit bestehender Beschilderungen und Markierungen

Verbesserungspotenziale identifizieren

Dazu gehören unter anderem:

  • zusätzliche Querungshilfen (Mittelinseln, Zebrastreifen)
  • optische Einengungen (Fahrbahnmarkierungen, Aufpflasterungen)
  • klarere Beschilderung und Warnhinweise
  • Barrierefreie Bordsteinabsenkungen für Rollstühle und Kinderwagen
  • bessere Ausleuchtung an Fußgängerquerungen

Mehr Sicherheit durch bauliche Maßnahmen

Falls notwendig sollen punktuelle bauliche Änderungen umgesetzt werden, um Tempo 30 spürbar durchsetzbar zu machen und das Sicherheitsgefühl zu erhöhen.

Einbindung von Schulen, Kitas und Elternbeiräten

Niemand kennt die Gefahrenpunkte besser als die Menschen, die täglich vor Ort sind.
Daher sollen sie aktiv einbezogen werden.

  • Schulwegpläne mit sicheren Routen, Markierungen, Hinweisschildern.

Zielbild:

Ein Heuchelheim, in dem sich Menschen jederzeit frei entscheiden können, wie sie mobil sind – ohne auf das Auto angewiesen zu sein.

3. Reduzierung des Durchgangsverkehres auf Gießener und Rodheimer Straße

Die Gießener Straße und Rodheimer Straße sind zentrale Verkehrsachsen, werden aber stark vom reinen Durchgangsverkehr belastet. Das führt zu Lärm, schlechterer Luftqualität, gefährlichen Situationen im Bereich der Ortsmitte und einem geringeren Aufenthaltswert.

Ziele:

  • Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer.
  • Beruhigung der Ortsmitte.
  • Verlagerung von Durchgangsverkehr auf überörtliche Verbindungen, was insbesondere bei der Rodheimer Straße möglich und zumutbar ist.

Mögliche Maßnahmen:

Verkehrsanalysen & digitale Verkehrsdaten

  • Erhebung von Verkehrsmengen und Geschwindigkeiten.
  • Erkennen von Stoßzeiten, Schleichwegen, Engpässen.

Verkehrslenkende Maßnahmen

  • „Durchfahrt verboten“ für LKW ab bestimmter Tonnen-Grenze, außer Anlieger.
  • Anpassung von Ampelphasen, um Durchgangsverkehr weniger attraktiv zu machen.
  • Bessere Ausschilderung alternativer Routen (Umgehung über Lahnau / Gießen).

Bauliche Maßnahmen zur Beruhigung

  • Fahrbahnverengungen, Mittelinseln und Gehwegnasen.
  • Sichere Querungsstellen an Bushaltestellen und zentralen Punkten.
  • Tempo‑30‑Zonen.

Gleichzeitig: Attraktive Alternativen schaffen

  • Gute Radwege, ÖPNV-Angebote, sichere Fußwege.
  • Neue Mobilitätsstationen: Bus + Rad + Carsharing.

Zielbild:

Eine spürbar ruhigere, sicherere und lebenswertere Ortsdurchfahrt – ohne Belastung durch unnötigen Durchgangsverkehr.

4. Heuchelheimer „Klimavertrag“ zur Belohnung klimafreundlicher Lebensstile

Der „Heuchelheimer Klimavertrag“ wäre ein freiwilliges, motivierendes Beteiligungsmodell, das Klimaschutz positiv erlebbar macht. Statt Verbote in den Mittelpunkt zu stellen, werden Anreize, Gemeinschaft und Anerkennung geschaffen. Interessierte Bürger/-innen schließen mit der Gemeinde einen Vertrag ab, in dem ihre individuellen klimafreundlichen Verhaltensweisen an Hand einer klar kommunizierten Matrix mit jeweiligem CO2-Fußabdruck festgehalten und eine angemessene Belohnung vereinbart werden.

Ziel:

Bürgerinnen und Bürger erhalten Vorteile, wenn sie sich aktiv für klimafreundliches Verhalten entscheiden.

Freiwillige Selbstverpflichtung

Haushalte, Vereine und Unternehmen unterzeichnen eine Vereinbarung, z. B.:

  • Energie sparen
  • kurze Wege zu Fuß oder mit dem Rad
  • Teilnahme an Repair‑Cafés
  • klimafreundliche Ernährungstage
  • Vermeidung unnötiger Einwegprodukte
  • Nutzung des ÖPNV

Belohnungen und Vorteile

  • Vergünstigte Eintrittspreise für Veranstaltungen.
  • Rabatte bei lokalen Betrieben (Partnerunternehmen).
  • Bonuspunkte für nachhaltige Aktionen (ähnlich einem Bonusprogramm).

Gamification & Gemeinschaft

  • Digitale Plattform oder App: Punkte sammeln, Erfolge teilen.
  • Wettbewerbe zwischen Straßen, Schulen, Vereinen.
  • Preise für „Klimahaus des Jahres“, „Fahrradaktivste Straße“, „Grünster Verein“.

Soziale Fairness

Jeder kann niedrigschwellig teilnehmen – unabhängig vom Einkommen.
Auch kleine Beiträge zählen.

Zielbild:

Klimaschutz wird sichtbar, macht Spaß – und stärkt die Gemeinschaft in Heuchelheim.

Oder auch so wie bei diesem gelungenen Beispiel aus Niedersachsen:

5. Nachhaltigkeitsbericht der Kommune zur Darstellung von Fortschritten bei der CO²-Bilanz und den Klimazielen

Ein kommunaler Nachhaltigkeitsbericht schafft Transparenz, verankert die Klimaziele der Gemeinde und zeigt jährlich, welche Fortschritte erreicht wurden. Viele Kommunen nutzen solche Berichte, um glaubwürdig zu handeln und die Bevölkerung mitzunehmen.

Ziele:

  • Offene Darstellung der CO₂‑Bilanz Heuchelheims.
  • Messbare Fortschritte bei Verkehr, Energie, Gebäuden, Verwaltung, Naturflächen.
  • Grundlage für kluge politische Entscheidungen.
  • Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung nachhaltiger Maßnahmen.

Inhalte des Nachhaltigkeitsberichts:

CO₂-Bilanz & Energieverbrauch

  • Emissionen durch Verkehr, Gebäude, Industrie, Landwirtschaft.
  • Energieverbrauch öffentlicher Liegenschaften.
  • Anteil erneuerbarer Energien.

Fortschritte bei den kommunalen Klimazielen

  • Wie entwickelt sich der ÖPNV-Anteil?
  • Wie viele Radwege wurden gebaut?
  • Wie viele öffentliche Gebäude sind energetisch saniert?
  • Wie viele Photovoltaikanlagen wurden hinzugefügt?

Natur- und Umweltindikatoren

  • Baumkataster, Begrünung, Versiegelung.
  • Zustand von Gewässern und Biotopen.

Bürgerbeteiligung

  • Welche Initiativen laufen?
  • Welche Vereine oder Schulen engagieren sich?
  • Welche Anregungen kamen aus der Bevölkerung?

Transparente Zielpfade

  • Darstellung der Fortschrittslinien für die Jahre 2026–2035.
  • Maßnahmenkatalog mit Verantwortlichkeiten.

Zielbild:

Ein jährlicher Nachhaltigkeitsbericht macht Heuchelheim zur transparenten, lernenden und verantwortungsvollen Kommune, die ihre Klimaziele ernst nimmt und für alle nachvollziehbar darstellt.

Anhang

> Einstimmig beschlossen und ab 2024 in Form einer kommunalen Einzel-Lösung umgesetzt

> Einstimmig beschlossen

> Beschlossen

> Mehrheitlich abgelehnt, Teile beschlossen

> Einstimmig beschlossen, später Beteiligungsbetrag noch erhöht

> Einstimmig (leicht geändert) beschlossen

> Einstimmig beschlossen