Für eine ökologische Landwirtschaft in Heuchelheim

Heuchelheims relativ kleiner Freiraum im Gemeindegebiet ist durch die landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Die Größe des dort liegenden Waldes oder der Gewässer in der Lahnaue ist im Vergleich hierzu vernachlässigbar.

Diese die Kulturlandschaft entscheidend prägende und auf relativ kleinen Betriebsflächen agierende Landwirtschafts-Funktion wird in Heuchelheim glücklicherweise noch durch zwei Vollerwerbs-Betriebe mit bereits vollzogener oder bevor stehender Nachfolge-Perspektive und einige Nebenerwerbs-Landwirte (Landwirtinnen gibt es bei uns leider noch nicht!) gekennzeichnet.

Die eher kleinbäuerliche Landwirtschaft und insbesondere die hier (noch!) vorhandene Milchvieh-Haltung mit jeweils angeschlossenen Biogas-Anlagen wird schon seit Jahren und aktuell wieder in extremem Ausmaß durch die wirtschaftlichen und auch sonstigen, organisatorischen Rahmenbedingungen in ihrer Existenz gefährdet. Der von den weiter im Konzentrationsprozess befindlichen Molkereien aufgrund der Monopolstellung des deutschen Lebensmitteleinzelhandels bezahlte Milchpreis nähert sich aktuell (Februar 2026) der 30ct-Marke, was für Betriebe mit 200 bis 300 Großvieheinheiten absolut nicht mehr auskömmlich ist.

Daher ist es uns besonders wichtig, diese vorhandene und auch zukunftsfähige Struktur zu erhalten und unter Beachtung anderer Freiraum-Funktionen weiterzuentwickeln. Der Weg über eine deutliche Vergrößerung der Betriebsflächen und des Viehbestandes ist in Heuchelheim nicht möglich und unserer Auffassung nach auch nicht zielführend. Eine quasi agrarindustrielle Umformung unseres immer in Reichweite der Ortslage liegenden, für Naherholung und verschiedenste Umwelt- und Naturschutz-Funktionen sowie auch das Landschaftsbild zu erhaltenden oder aufzuwertenden Freiraumes wird abgelehnt.

Wir sehen die Perspektive der Heuchelheimer Landnutzung nur in Form einer zunehmend und dauerhaft ausgerichteten ökologischen Landwirtschaft, die es auch zu fördern und zu unterstützen gilt.

Unsere Forderungen, Ideen und Ziele hierzu im Einzelnen:

Umweltverträgliche Bewirtschaftung und Entwicklung unserer Naturräume

Milchkühe gehören mit ihren Kälbern so lange wie möglich im Jahr auf die Weiden rund um unseren Ort und nicht in den Stall. Aber dort sollen auch die Regeln einer ökologischen und artgerechten Tierhaltung gelten.

Dieses Ziel trägt entscheidend zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft und auch zur Bei-behaltung des Wissens und der Zusammenhänge über unsere Grundnahrungsmittel-Produktion (gerade bei der durchdigitalisierten Jugend) bei.

Eine ökologische Milchwirtschaft braucht durch die Vorgaben zur extensiven Bewirtschaftung Fläche, die auch für diesen Zweck prioritär bereitgestellt werden muss. Andere dortigen Flächennutzungen, wie z.B. die Pferdehaltung oder Freizeitgärten, müssen hierfür auch mal Einschränkungen akzeptieren.

Eine derartige Milchwirtschaft wird am Markt durch deutlich höhere Einkaufspreise belohnt, die aber aufgrund der o.g. Monopolstellung des Einzelhandels und der weit verbreiteten Schnäppchen-Mentalität sowie einem generell in Deutschland zu geringen Haushalts-Budget für gute Lebensmittel immer noch zu niedrig sind.

Nur MIT der und nicht gegen die Landwirtschaft können wir unsere Naturräume auch aufwerten. Blühstreifen und Biotopvernetzungen müssen letztlich von den Landwirten akzeptiert oder – im besten Fall gefördert – selbst mit angelegt und gepflegt werden.

Ein weiteres Thema ist der Pflanzenschutz bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Hierbei tauchen schnell der Begriff und die Problematik Glyphosat auf. Wir fordern dabei, dass die Kommune in ihren (eine nicht unerhebliche Fläche im Freiraum unserer Gemeinde umfassenden) Pachtverträgen gegenüber den Landwirten einen absoluten Verzicht auf dieses äußerst riskante Pflanzenschutzmittel durchsetzt.

Einrichtung eines Feldwegenetzes mit Grünvernetzung

Es kam und kommt auch in unserer Gemeinde vor, dass so mancher im Katasterplan eingetragene sowie in Gemeindebesitz befindliche Feldweg im Bereich landwirtschaftlicher Nutzflächen im Luftbild bzw. vor Ort nicht mehr erkennbar ist. So manche Wande-rer/, Radler/ oder Hundebesitzer/-innen haben sich schon gewundert, dass ein früher begangener/befahrener Weg gar nicht mehr da ist oder in einem Acker endet.

Auf unsere Initiative hin ist vor einigen Jahren geprüft und vom Gemeindevorstand erklärt worden, dass diese Beseitigung alter Wege zu Gunsten einer Vergrößerung bzw. einfacheren Bewirtschaftung von Feldern schon vor etlichen Jahren durch entsprechende Vereinbarungen zwischen den Landwirten und der Gemeinde geregelt worden sind. Dabei wurde aber vergessen, dass das Umbrechen eines Feldweges und die Einbezie-hung der Wegefläche in die landwirtschaftliche Nutzung einer naturschutzrechtlichen Genehmigung und regelmäßig auch eines entsprechenden diesbezüglichen Ausgleiches bedarf.

Im Anhang befindet sich eine diesbezügliche Anfrage aus 2019.

Förderung von Naturschutz, bäuerlicher Landwirtschaft und Naherholung

Wir Heuchelheimer Grüne wollen erreichen, dass der dringend nötige und auch durch unsere Positionen zur Ortsentwicklung unterstützte Naturschutz sowie eine bäuerlich verbleibende Landwirtschaft und die Interessen der Naherholung in Einklang gebracht werden. Hierzu hatten wir schon mehrfach und insbesondere in (den vom Gemeinde-vorstand leider viel zu seltenen einberufenen) Sitzungen der Energie- und UMWELT-Kommission sowie in Bezug auf das auch seit Jahren durch Klagen betroffener Landwirte nicht zum Abschluss gekommenen Flurbereinigungsverfahren in der Lahnaue Initiativen gestartet.

Wir streben an, über einen den gesamten Heuchelheimer Freiraum umfassenden Plan – beispielsweise einen sogenannten Landschaftsplan – in Abstimmung mit der Landwirtschaft und dem Naturschutz sowie sonstigen Interessenvertretungen für Freiraumnutzungen einen Interessenausgleich zwischen dem Bedürfnis der landwirtschaftlichen Betriebe zur Vergrößerung und räumlichen Konzentration ihrer Nutzflächen rund um den jeweiligen Betrieb, einem attraktiven und möglichst konfliktfreien Wegenetz, einer optimalen Vernetzung von Grünstrukturen und insgesamt einer Neuordnung des Freiraumes zur Minderung von Nutzungskonflikten (z.B. auch zwischen Artenschutz und Hunden) zu erreichen.

Auch der Naturschutz kann durch ein entsprechendes Management der Verpachtung gemeindlicher Flächen im Freiraum gefördert werden.

Die lokale Vermarktung geeigneter landwirtschaftlicher Produkte soll im Rahmen der Entwicklung der neuen Heuchelheimer Mitte auf dem Rinn&Cloos-Karrée auch von der Gemeinde unterstützt werden.

Und bei der Naherholung wollen wir im o.g. (Landschafts-)Plan erreichen, dass verschiedene Aktivitäten so räumlich geordnet werden, dass Konflikte zwischen diesen minimiert werden.

Die ökologische Qualität des gesamten Gemeindegebietes erhöhen

Aus Gründen des Klimaschutzes und zur Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels sowie insbesondere auch zur Verbesserung der Biodiversität wollen wir die ökologische Qualität des gesamten Gemeindegebietes erhöhen.

Zur stärkeren Begrünung unserer Ortslage, wie im Kapitel Grüne Ortsentwicklung beschrieben, soll hierzu auch eine stärkere Begrünung und diesbezügliche Vernetzung mit Biotopstrukturen im Freiraum hinzukommen.

Konkret fordern wir die langfristige Wiederherstellung des Kinzenbaches dort, wo es noch möglich ist, und eine Entwicklung eines durchgehend mit Bäumen, Gehölzstrukturen und Waldbereichen versehenen Korridores von Kinzenbach bis zum Waldrand.

Für die Lahnaue wünschen wir uns eine angemessene Entwicklung der Lahnufer und Wiedervernäsung des Kahntgrabens, bei Beibehaltung der auenverträglichen Landwirtschaft (ohne Mais-Intensivanbau) sowie einer bezüglich des Artenschutzes konfliktfreien Wegeführung für die Naherholung und Naturbeobachtung.

Im Anhang befindet sich die o.g. Anfrage zum Feldwegnetz aus 2019.